An diesem Tag im Jahr 1954 wurde die Europäische Organisation für Kernforschung, CERN, in Genf gegründet. Ihr Ziel war es, das weltgrößte Forschungszentrum auf dem Gebiet der Teilchenphysik aufzubauen. Es ist unter anderem der Geburtsort des World Wide Web, das zuerst vom britischen Physiker Tim Berners-Lee und dem belgischen Computerwissenschaftler Robert Cailliau im Jahr 1989 geplant wurde. Trotzdem ist das CERN am besten bekannt als Heimat eines wahrlich gewaltigen Wissenschaftsexperiments: Dem Large Hadron Collider, dem größten und stärksten Teilchenbeschleuniger der Geschichte.
Als Ernest O. Lawrence im Jahr 1929 den ersten Kreisbeschleuniger der Welt an der University of California entwarf, hatte dieser einen Durchmesser von 100 Millimetern. Im Gegensatz ist der Large Hadron Collider ein unterirdischer Tunnel mit einem Umfang von 27 Kilometern. Er schlängelt sich an vier Punkten unter der Grenze der Schweiz und Frankreichs entlang.
Der Teilchenbeschleuniger benutzt elektromagnetische Felder, um Strahlen von hochenergetischen subatomaren Teilchen (Protonen oder Bleikernen) in einer kreisförmigen Bahn bei sehr hohen Geschwindigkeiten anzutreiben. So wird versucht, die Bedingungen nachzubilden, die zur Zeit des Urknalls – dem Entstehen des Universums - geherrscht haben.
Der Large Hadron Collider wurde gebaut, um unser Verständnis von Raum und Zeit voranzubringen, ebenso wie das Wissen der Quantenmechanik und der allgemeinen Relativitätstheorie sowie anderen Unbekannten des Universums.
Im Speziellen soll es die Existenz des Higgs-Bosons, auch „Gottesteilchen“ genannt, beweisen oder widerlegen. So soll Licht in die mysteriöse dunkle Materie gebracht werden, die ungefähr ein Viertel der Masse des Universums beträgt und es sollen die unentdeckten zusätzlichen Dimensionen, von denen die Stringtheorie ausgeht, erkundet werden.
Dennoch gibt es auch Kritiker des Experiments. Am 24. Mai 2011 gaben Wissenschaftler bekannt, dass Quark-Gluon-Plasma, die dichteste Masse des Universums neben den schwarzen Löchern, im Large Hadron Collider aufgetreten wäre.
Panikmacher erwiderten, dass die Aktivitäten des CERN kleine schwarze Löcher erschaffen und so den Teilchenbeschleuniger verschlingen könnten, oder die Schweiz oder sogar die ganze Welt. Während die CERN-Physiker solch ein Szenario schnell als eine Unmöglichkeit abtaten, erlebte das Experiment doch einige Rückschläge.
Obwohl Protonenstrahlen zum ersten Mal am 10. September 2008 erfolgreich zirkulierten, führte neun Tage später eine defekte elektrische Verbindung und die darauf folgende Überhitzung dazu, dass der Teilchenbeschleuniger für fast ein Jahr ausgeschaltet werden musste. Jetzt funktioniert er wieder, aber der Large Hadron Collider wurde erst im Mai 2015 wieder voll angeschaltet.
Bild: © Alamy